Abgefahren – Die Bahn-Kolumne | Teil 1

Manchmal weiß man nicht so genau, ob die Bahn nun ein ernst zu nehmendes Unternehmen ist oder doch eher eine Unterhaltungseinrichtung. Zumindest scheint sie sich selbst kaum ernst zu nehmen und hat damit die Lacher auf jeden Fall auf ihrer Seite. Aber wehe dem, der darauf angewiesen ist, mit einem von der Deutschen Bahn betriebenen Schienenfahrzeug von einem Ort zum anderen zu gelangen! Es gibt da nämlich Faktoren, die die Bahn bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge irgendwie übersehen hat: Jahreszeiten. Ja, es soll wirklich vorkommen, dass im Sommer die Sonne scheint und die Temmperaturen steigen. Und dann würde sich der normale Fahrgast freuen, wenn er auf seiner Fahrt von Köln nach Hamburg von einer Klimaanlage profitieren könnte. Schließlich wird so ein fahrender Metallkasten mit Fenstern in der Sonne schnell mal zum Treibhaus. Sind ja nur vier Stunden! Aber daran hat von den hohen Herren wohl keiner gedacht, als sie bei einem Tässchen Kaffee in ihrem klimatisierten Büro gesessen haben: „Wir schwitzen ja auch nicht!“ Ach so, wie konnten wir das vergessen!

Deshalb liegt die optimale Betriebstemperatur der Bahnfahrzeuge zwischen 15° und 20° C. Alles, was darüber und darunter liegt, ist zu warm oder zu kalt. Das bedeutet im Klartext, dass die Klimaanlagen ab 20° C ihren Betrieb einstellen und die Heizung…? Die existiert gar nicht erst. So mag es jedenfalls scheinen. Und dann sitzt Frau Müller im BordBistro und versucht ihren schwitzenden Körper mit der inzwischen auch schon auf mindestens 30° C  aufgewärmten Cola zu kühlen. Da das irgendwie auch nichts nützt, ist die einzige Chance, einen Wagen zu finden, in dem die Klimaanlage noch funktioniert. Also nimmt sie ihr Gepäck und verlässt das BordBistro, während sie sich fragt, warum sie ihr Handtuch nach ganz unten im Koffer gepackt hat, wo sie es doch jetzt so gut gebrauchen könnte. Trotzdem trifft sie fast der Schlag. Kaum hat sie die Tür zum angrenzenden Wagen geöffnet, strömt ihr kühle Luft entgegen. Schnell hinein! Und – kaum zu glauben – der Wagen ist komplett leer. Wie kann das sein? Aber letztendich ist es ja auch egal, denkt sich Frau Müller und lässt sich entseelt in einen Sitz sinken. Der Frieden währt allerdings keine 10 Minuten, denn sie hat ihre Rechnung ohne das Bahn-Personal gemacht.

Nach 10 Minuten erscheint der Schaffner und begrüßt sie mit den Worten: „Dieser Wagen ist gesperrt. Die Klimaanlage funktioniert nicht!“
Frau Müller entgegnet irritert: „Aber in diesem Wagen ist es mindestens 10° C kühler als im BordBistro!“
Das Scheint dem Schaffner aber ebenso egal zu sein, wie den Herrschaften, die den Zug in ihrem klimatisierten Büro konzipiert haben – mit allerdings einem Unterschied: der Schaffner schwitzt mit. Die Frage lautet: ist dieser Unterschied entscheidend?
„Aber dieser Wagen ist gesperrt, wegen der defekten Klimaanlage. Bitte verlassen Sie diesen Wagen.“ Scheinbar nicht. Vorschrift ist Vorschrift.

Also packt Frau Müller abermals ihre Sachen und lässt sich vom Schaffner höchstpersönlich in den nächsten Wagen eskortieren. Wo sie jetzt die nächsten zwei Stunden sitzen soll? Keine Ahnung, die Klimaanlage ist ja kaputt. Da kann einem schon mal das Gehirn schmilzen. Hauptsache im Büroturm der Bahn halten sich die angenehmen 18° C!

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